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Früher saß ein Übersetzer in seinem Kämmerlein und tippte die Übersetzung in seinen Computer. Das Bild herrscht in den meisten Köpfen immer noch vor, hat aber mit der Realität nur noch sehr wenig zu tun. Translation Memories und das Internet haben die Übersetzung zu einer wahrhaft globalen Dienstleistung gemacht. Was geschieht eigentlich bei der Übersetzung?

Einfach gesagt, etwas an die lokalen Gegebenheiten eines Zielmarktes anpassen. Das schließt zuallererst die Übersetzung ein, geht aber deutlich weiter:
Wenn ich eine amerikanische Software in Deutschland vertreiben möchte, muss diese deutsche Adressen (ohne Abfrage eines zweistelligen Staatencodes), deutsche Preise (€ nicht $), ein deutsches Datumsformat usw. verstehen und anzeigen. Idealerweise werden auch Namen und Bilder in den Beispielen angepasst.
Was bedeutet Lokalisierung?

Die Internationalisierung macht das Ausgangsmaterial übersetzungsfähig. Dazu gehören die Fähigkeit, Umlaute, kyrillische Buchstaben oder chinesische Zeichen eingeben und anzeigen zu können, die Möglichkeit, alle angezeigten Texte auch zu bearbeiten (sie könnten z. B. als Grafik vorliegen), aber auch die Beseitigung oder Anpassung kultureller Eigenheiten oder Befindlichkeiten, wie die Verwendung von Farben (weiß = Unschuld oder Trauer?), Beispielen oder Bildern (Minirock in islamischen Ländern?). Was verbirgt sich hinter Internationalisierung?

Diese Suche ist extrem schwierig: Normen, Zertifizierungen und die Mitgliedschaft bzw. Mitarbeit in bestimmten Organisationen liefern allerhöchstens einen ersten Anhaltspunkt. Danach hilft nur Bohren: Wie groß ist die Erfahrung? Welche Referenzen gibt es? Inwieweit kann und will der Anbieter sich an die Kundenbedürfnisse anpassen? Geht das Angebot über die eigentliche Übersetzung hinaus? Dieser Link führt Sie zu einer Mindmap, mit der Sie die Anbietersuche interaktiv erkunden können. Wie finde ich einen guten Übersetzungs-/Lokalisierungsanbieter?

Jede natürliche Sprache ist subjektiv und unterliegt laufenden Veränderungen. Damit ist eine objektive Messung der Qualität schwierig. Es gibt aber Kriterien wie grammatikalische Richtigkeit, Einhaltung der Terminologievorgaben, Konsistenz, Einhaltung der stilistischen Vorgaben (persönliche oder unpersönliche Ansprache). Zur Lieferqualität gehören außerdem Einhaltung des Layouts, Termintreue, Befolgung der Kundenvorgaben usw. Wie bestimme ich die Übersetzungsqualität?

Jede natürliche Sprache ist subjektiv und unterliegt laufenden Veränderungen. Daher passen Sprache und Normung nur bedingt zusammen.
Abläufe und Prozessschritte lassen sich eher standardisieren, daher sind zwei Normen auf die Lokalisierung/Übersetzung anwendbar: ISO9000 (sehr bedingt, da aus der Produktion stammend) und EN15038, die "EU-Übersetzernorm". Die EN15038 ist besser in der Praxis anwendbar, geht aber in ihren Forderungen über den Leistungsumfang hinaus, den Firmen normalerweise zu bezahlen bereit sind. Daher ist im Einzelfall zu prüfen, ob die Anwendung der EN15038 Sinn macht. Eine "Registrierung nach EN15038" ist eine reine Absichtserklärung, die keinerlei Aussagekraft hat. Lassen Sie sich also bitte nicht blenden!
Einige Großunternehmen und Programmanbieter sind dazu übergegangen, ihre Lieferanten oder Service-Partner zu zertifizieren. Bei diesen Zertifizierungen geht es um Prozesseinhaltung wie bei den Normen und zusätzlich um Fachkenntnisse und Fähigkeiten, die im jeweiligen Umfeld nötig oder nützlich sind.
Gibt es Normen, Standards, Zertifizierungen?

Eine automatische Übersetzung liefert genau das, was Sie über verschiedene Internetseiten abrufen können: Eine größtenteils unbrauchbare Übersetzung mit einigen guten Sätzen dazwischen. Warum?
MT-Systeme übersetzen satzweise und können damit keine Informationen über Satzgrenzen hinweg verarbeiten (mit wenigen Ausnahmen). Außerdem reagieren sie sehr empfindlich auf Fehler. Wo ein Mensch schon beim Lesen „Schff“ ohne nachzudenken in „Schiff“ korrigiert (und das häufig nicht einmal realisiert), sieht ein MT-System nur ein unbekanntes Wort, das eine vollständige Satzanalyse verhindert und so zu unvorhersehbaren Ergebnissen führt. Das Gleiche gilt für Auslassungen und Satzfragmente. Und schließlich gibt es viele Worte, die je nach Kontext sehr unterschiedliche Bedeutungen und damit Übersetzungen haben können: „Er wurde eingestellt“ bedeutet für einen Menschen etwas ganz anderes als für einen Motor.
MT ist also alles andere als automatisch. Sie liefert nur dann brauchbare Ergebnisse, wenn man in Vorarbeit und Nacharbeit investiert, was sich bei großen Textmengen durchaus lohnen kann. Und manchmal macht MT eine Übersetzung überhaupt erst möglich (aus Zeit- oder Kostengründen).
Kann ich meine Texte mit MT automatisch übersetzen lassen?

Übersetzung ist Handarbeit (oder besser Kopfarbeit). Damit gibt es abgesehen von Wiederholungen und ähnlichen Texten, die vom Translation Memory abgefangen werden, keine Skalierungseffekte. Im Gegenteil: Bei großen Projekten müssen die Bemühungen der einzelnen Übersetzer koordiniert werden. Es fallen also zusätzliche Projektleitungskosten an. Einsparungen ergeben sich höchstens bei einem gleichmäßigen Arbeitsfluss über einen längeren Zeitraum, da dann Optimierungen in den Ablauf eingeführt werden können. Warum wird meine Übersetzung nicht günstiger, wenn ich mehr Volumen habe?

Eine allgemein anerkannte Richtschnur sind die 2.000 bis 2.500 Wörter, die ein guter Übersetzer pro Tag übersetzen kann. Das entspricht etwa 10 locker beschriebenen Textseiten. Dieser Wert schwankt natürlich mit der Textart und der Vertrautheit der Übersetzer mit dem Thema, aber man kann damit die Dauer eines Übersetzungsauftrags abschätzen. Für 20.000 Wörter braucht man 8 Tage plus Zeit für Layoutarbeiten und Qualitätssicherung. Natürlich kann man mehrere Übersetzer parallel arbeiten lassen, aber das führt immer zu Inkonsistenzen (persönlicher Stil, unterschiedliche Terminologie), so dass man den besten Kompromiss zwischen Qualitätsanspruch und Zeitbeschränkungen finden muss. Wie lange dauert die Übersetzung?

Die allermeisten Kunden brauchen keine riesigen Teams für die Bearbeitung ihrer Aufträge. Wichtiger ist die Fähigkeit des Dienstleisters, schnell ein passendes Team zusammenzustellen und dieses bei Bedarf zu vergrößern.
Damit wird das vorhandene Netzwerk oder die virtuelle Größe zum Maß aller Dinge, während die Anzahl fest angestellter Mitarbeiter größere Auswirkungen auf die Qualität als den möglichen Durchsatz hat.
Die entscheidende Frage ist: Wie viele Übersetzer, Projektleiter, Layouter brauchen Sie zu einem gegebenen Zeitpunkt?
Wie groß muss mein Übersetzungsanbieter sein?

Hierauf gibt es keine allgemeingültige Anwort. Noch vor kurzer Zeit tendierten größere Firmen dazu, Übersetzungen komplett an einen Lieferanten zu geben, um interne Verwaltungskosten zu sparen. Im Zuge des technischen Fortschritts können aber sehr kleine interne Teams die komplette Verwaltung übernehmen, wodurch das Pendel wieder in Richtung Einzelanbieter im Zielland schwingt, da dieser Ansatz Geld sparen und die Qualität erhöhen kann. Vergebe ich alle Sprachen an einen Anbieter oder alle einzeln?

Welche Qualität können Sie erwarten (siehe "Wo sollten die Übersetzer sitzen?")? Setzt man voraus, dass die eigentliche Übersetzung im Zielland erfolgt, bleiben für die Einsparung nur das Projektmanagement und Zusatzleistungen wie DTP übrig. Damit ist das Einsparpotential gering und wiegt die Nachteile eines größeren Kommunikationsbedarfs und doppelter Managementaufgaben nicht auf. Bekomme ich billigere Übersetzungen in Indien/China?

Übersetzungsaufträge werden heute praktisch ausschließlich auf elektronischem Wege verschickt, um Zeit zu sparen. Daher spielt die Entfernung zwischen Kunden und Lieferanten keine Rolle (solange sie sich in der gleichen Zeitzone befinden). Besprechungen finden auch nicht tagtäglich statt. Damit relativiert sich der Vorteil der immer noch gern gesehenen geografischen Nähe zusehens.
Viel wichtiger ist eine schnelle und umfassende Kommunikation zwischen allen beteiligten Parteien.
Welche Rolle spielt die Entfernung zum Anbieter?

Hier spielt die Geografie eine wesentlich wichtigere Rolle als bei der vorherigen Frage: Übersetzer sollten nicht nur Muttersprachler sein, sondern auch im jeweiligen Zielland leben, damit sie wirklich die "richtige Sprache" sprechen. Besonders deutlich wird das im Marketing, da sich in diesem Bereich die Sprache laufend verändert. Wo sollten die Übersetzer sitzen?

Es ist leicht einzusehen, dass ein Übersetzer nur dann gute Qualität liefern kann, wenn er möglichst viel über das zu übersetzende Material weiß. Daher ist es kontraproduktiv, wenn Sie Texte aus dem Original herausziehen und z. B. in Word oder Excel verschicken. Moderne Übersetzungswerkzeuge liefern die Textextraktion aus Layoutprogrammen oder Bedieneroberflächen (Menüs, Dialogfelder) von Anwendungsprogrammen automatisch und stellen dem Übersetzer gleichzeitig Kontextinformationen wie eine Voransicht zur Verfügung. Zusätzliches Referenzmaterial und Terminologielisten sind eine große Hilfe. Was schicke ich dem Übersetzer?

Globalization Management Systeme (GMS) versprechen einfaches Management, volle Kontrolle über den Prozess, Kosteneinsparungen und vieles mehr. In der Realität versuchen sie, den Übersetzungsprozess in ein vorgefertigtes Schema zu pressen, das in praktisch allen Fällen nicht passt. Wir sind eindeutig für eine möglichst umfassende Automatisierung, um Zeit und Kosten zu sparen und Fehler zu vermeiden, plädieren aber für eine "lose Kopplung" der Einzelteile, um verschiedene Anbieter einbinden und Teilprozesse ändern zu können, ohne gleich die ganze Lösung verschrotten zu müssen. Brauche ich ein GMS?

Einige Anbieter bieten ihren Kunden ein spezielles Translation Memory und manchmal auch noch einen speziellen Workflow. Das kann für Ihre Bedürfnisse durchaus gut passen, aber Sie sollten sich immer fragen, was passiert, wenn Sie den Anbieter wechseln oder auch nur einen zweiten hinzuziehen möchten.
Auf der anderen Seite des Spektrums liegt die Nutzung des Standardtools (in der Übersetzung ist das Trados). Das ist auch nicht immer ideal. Übersetzungsanbieter müssen mit verschiedenen Werkzeugen vertraut sein. Wir bei der Eule beherrschen viele Werkzeuge, bevorzugen aber den across Language Server, da wir von seinen Vorteilen überzeugt sind.
Bringt ein proprietäres Translation Memory Vorteile?

©2009 Eule Lokalisierung GmbH