ISO 9000 wurde als Norm für Produktionsbetriebe konzipiert und ist daher nur bedingt auf Dienstleistungsfirmen anwendbar. Nichtsdestotrotz hat sie ihre Nutzbarkeit gezeigt. Man muss beachten, dass diese Norm keine Qualität an sich definiert oder fordert, sondern sich mit der Beschreibung und Einhaltung von Prozessen befasst. Qualität wird hier indirekt als Folge sauberen Arbeitens abgeleitet.
„Wenn ich genau weiß, was ich wann und wie zu machen habe, ist die Gefahr, dass ich einen Fehler mache, deutlich geringer, als wenn ich aus dem Bauch heraus vorgehe.”
Das ergibt natürlich Sinn. In einer Firma, in der alle Mitarbeiter genau wissen, was sie wann zu tun und zu lassen haben, wird besser gearbeitet als in einem Büro, in dem jeder tut, was ihm gerade so einfällt.
Andererseits kann man einen völlig unsinnigen Prozess beschreiben und durchführen lassen. Dann sind die Bedingungen der Norm auch erfüllt, aber das Ergebnis lässt sehr zu wünschen übrig.
Und gerade von kleineren Dienstleistern wird häufig ein hohes Maß an Flexibilität erwartet oder gefordert, was mit einem eng geschnürten Normkorsett nicht immer verträglich ist. Daher muss man sich genau überlegen, wie man die Prozesse beschreibt, damit man sich seine nötigen Freiräume lässt.
Die oben zitierte „Fehlausrichtung“ der ISO9000-Normreihe veranlasste die EU, eine Norm für Übersetzungsleistungen zu entwerfen. Hört man sich in Übersetzerkreisen um, erkennt man, dass diese Norm einen schlechten Ruf hat: sie sei völlig überzogen und weltfremd und ihre Forderungen seien nicht erfüllbar.
Lässt man sich nicht von den Gerüchten abschrecken und studiert die Norm unbefangen, ergibt sich ein anderes Bild. Kurz gesagt liefert die Norm eine gute Auflistung der für eine gründliche und saubere Durchführung eines Übersetzungsauftrags nötigen Schritte und Überlegungen, ohne dabei einzelne Schritte unnötig exakt zu definieren und damit unveränderlich festzuschreiben.
Das Problem liegt eher in dem Absolutheitsanspruch der Norm: Ein Anbieter ist entweder ganz oder gar nicht zertifiziert. Damit ist ein klassischer Single Language Vendor, der z. B. Übersetzungen ausschließlich in die deutsche Sprache anbietet, gut in der Lage, die Norm zu erfüllen.
Möchte ein Anbieter jedoch seinen Kunden einen Vollservice, d. h. Übersetzungen in mehrere Sprachen, bieten, kann das bei jedem neuen Sprachpaar zu erheblichen Problemen mit der Einhaltung der Norm führen.
Informationen zur Zertifizierung gibt es beim TÜV Süd:
Registrierungen nach EN 15038 sind bedeutungslose Absichtserklärungen.
Jeder kann sich registrieren lassen, ohne dass dies irgendwelche Konsequenzen
hätte!